Für insgesamt 4 Tage ging es mit der Familie nach Südtirol zum Wandern. Da keine wirklich harten Touren bevorstanden, konzentrierte ich mich beim Packen der Ausrüstung auf das Kamerazubehör.

Aus unserem Hotel für die 4 Tage machte mein Vater ein großes Mysterium. Zu Recht wie sich herausstellen sollte – es war ein Wellnesshotel. Er wusste wohl ganz genau, dass ich nicht ins Auto gestiegen wäre, hätte ich es vorher gewusst. Naja, 1:0 für ihn. Ich war aber ehrlich gesagt auch einfach mal wieder froh den zu packen, die zu schnüren und den ganzen Alltag hinter mir zulassen. Außerdem war es ein Urlaub mit meinen Eltern und meiner Freundin, da muss man eben Abstriche bei der Abenteuerlust machen. Aber das ist nur Jammern auf  hohem Niveau.

 

Vom Hotel aus hatten wir eine herrliche Aussicht auf das Tal:

Österreich-landschaft

 

Die erste Wanderung

Unsere erste Wanderung führte uns von der Plätzwiese zum Dürrenstein (2839m). Während die Damen der Runde die Sonne und den ein oder anderen Cappuccino genossen, ging es für die männliche Fraktion hinauf zum Dürrenstein. Bei bestem Wetter und einem traumhaften Panorama ging es bei 10 Km Distanz ca. 900 Hm bergauf.

Ein Vorschlag an die Duden-Redaktion: Sollten Sie je ein Bild zu dem Wort „Idylle“ suchen, nehmen Sie eines von der Pragser Plätzwiese. An diesem Ort hört man den Satz „Hier ist die Welt noch in Ordnung“ so häufig wie an keinem anderen in Europa. Auch ich konnte mich dem, trotz der vielen Touristen, nicht erwehren.

Als wir das Gipfelkreuz erreichten gab es erstmal eine schöne ausgedehnte Vesper. In diesen Momenten würde ich meine Wanderration nicht einmal gegen eine Kobe-Steak in irgendeinem noblen Sterne-Restaurant tauschen. Schön, wenn man sich wieder zuhause fühlt.

 

 

Der Weg bergab war so entspannt, wie der Weg bergauf. Wir wanderten noch eine kleine Schleife über den Bergkamm und trafen dann wieder auf den gleichen Wanderweg, den wir bereits auf dem Hinweg nahmen. Insgesamt waren wir 4 Stunden bei lockerem Tempo und ausgedehnter Pause unterwegs. Eine einfache, aber dennoch empfehlenswerte Wanderung, besonders für die Phase der Akklimatisierung.

 

Tour 2 – Furkelpass zum Pragser Wildsee

Dies Tour ist klassisch für Südtirol: duftende Wälder, schroffe Felsen und traumhafte Täler. Es gab einen kleinen, steilen Aufstieg von ca. 400 Hm, bei dem man ordentlich ins schwitzen gerät, besonders wenn man lange nicht mehr unterwegs war.

Diese Tour ist relativ abgelegen und daher begegnet man unterwegs nur wenigen Wanderern. Für mich ist das ein großer Pluspunkt.

 

Auf dem Weg kommt man an einer traumhaft gelegenen vorbei (bei Bild 2), die zum Verweilen und dem ein oder anderen Radler einlädt. Danach begann der Abstieg, der sich bis zum Pragser Wildsee zog. Dort angekommen kann man entweder noch eine kleine Runde um den See wandern oder sich eine kühle(!) Erfrischung gönnen und in den See springen. Wir waren an dem Tag ca. 4 Stunden unterwegs, die reine Wanderzeit bei strammen Tempo betrug 3 Stunden.

 

Am Abend erleuchtete der Vollmond das Tal, als er über den Baumwipfeln ruhte. Mit einem Glas Rotwein in der Hand betrachteten wir unseren kosmischen Nachbarn. Ja, so langsam erkenne ich auch den ein oder anderen Vorteil im Genusswandern 😉

 

Mond-Waldwipfel-nacht

 

Tour 3 – Wandern um die Drei Zinnen

Am 3. Tag brachen wir auf zur Familien-Traditionstour. Einmal rund um die 3 Zinnen. Meine Großeltern verbrachten bereits vor vielen Jahrzehnten ihre Urlaube in Südtirol. Sie erzählen von den Zeiten in denen sie als Quartett umher wanderten und sangen. An jeder Hütte wurden sie eingeladen – ein Kurzer hier, ein Abendessen da, es waren gute Zeiten sagen sie voller Sehnsucht.

Doch auch wenn sich vieles in Südtirol geändert haben mag, unsere Familien-Traditionstour laufen wir immer noch und das Gruppenbild machen wir auch an derselben Stelle, wie einst meine Großeltern. Genug Nostalgie – weiter im Text.

 

Auronzohütte

Auch am 3. Tag meinte es Petrus gut mit uns: strahlend blauer Himmel und nicht zu heiß – Ideale Bedingungen zum Wandern. Start und Ziel war die Auronzohütte. Südtirol zeigte sich an diesem Tag von seiner fotogensten Seite und ich hatte glücklicherweise auch ausreichend Zeit zum fotografischen Experimentieren.

Der Wanderweg führt vorbei an einer kleinen Kapelle hin zur Rifugio Lavaredo, die man nach ca. 20 Minuten Gehzeit vom Parkplatz erreicht. Daraufhin folgte ein leichter Anstieg. Stets im Blick – die majestätischen 3 Zinnen.

Wenn man zumindest ein bisschen mehr Nervenkitzel spüren will, kann man Richtung Dreizinnenhütte vom Hauptweg abweichen. Es führt ein schmaler Pfad rechts oben am Hang entlang. Ausgesprochen lohnenswert, doch sollte man sehr vorsichtig bezüglich Steinschlags sein, da der Hauptweg stellenweise genau unter dem Pfad verläuft. Hier ist Rücksichtnahme angesagt.

 

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Kurz vor der Dreizinnenhütte treffen die beiden Wanderwege dann wieder aufeinander. Es gibt kaum eine schönere Location um das Naturwunder „3 Zinnen“ zu bestaunen. Dies ist auch der Ort an dem wir unser Familienfoto machen. Auch wenn wir dafür immer ein paar Bänke und Tische umstellen und lange warten müssen bis diese überhaupt einmal freiwerden. Das Bild reiche ich noch nach – Versprochen!

Der Wanderweg nähert sich im weiteren Verlauf den Zinnen wieder an. Zwar gibt es noch einen mittleren An- und Abstieg, doch diese stellen auch für ungeübte Wanderer nur ein kleines Hindernis dar. Auf diesem Teil des Wanderwegs versteht man warum es „Im Schatten der 3 Zinnen“ heißt, wie auch auf den Google Bildern (siehe oben: einfach heranzoomen) zu erkennen ist. Über die Malga Langalm führt der Weg durch reichlich bewachsene Täler zur Auronzohütte. Hier ist es Zeit sich von den Tre Cime di Lavaredo zu verabschieden.

Fazit: Diese Wanderung um die 3 Zinnen ist ein absolutes Highlight und gehört meiner Meinung nach, auch ohne familiären Bezug, zum Pflichtprogramm in Südtirol. Für die Wanderung sollte man ausreichend Zeit zum Bestaunen und Genießen einplanen, insgesamt ca. 5 Stunden.

3-zinnen

Gesamtfazit

Wen es einmal nach Südtirol verschlägt, der kommt nur selten davon weg. Die schroffen Felsen, frischen Quellbäche und duftenden Wälder machen es zu einem kleinen Paradies für Naturliebhaber und Wanderer.

Auch wenn ich meinem Zelt den Vorzug vor dem Wellnesshotel gegeben hätte (was in Südtirol rechtlich übrigens sehr schwierig ist), so muss ich doch sagen, dass es ein abwechslungsreicher Wanderurlaub war. Wenn man dann nach einer langen Tour mit einem Glas Rotwein in der Hand im Whirlpool sitzt und das Gewitter betrachtet, das mit lautem Grollen durch das Tal zieht, erkennt man die Vorzüge des Genusswanderns.

Nichtsdestotrotz bin ich lieber mit Zelt unterwegs, da draußen, wo es nicht so bequem ist. Wo es keinen Pool sondern Flüsse und Seen gibt, keinen Rotwein aber frisches Quellwasser, keine 5 sondern 3000 Sterne. Dort fühle ich mich zuhause.

Bis bald,

Jannik

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