Der 1. September stand kurz bevor, die letzten Vorbereitungen für unsere Trekking Tour auf dem Nordkalottleden liefen auf Hochtouren –

Und dann ging es endlich los. Nach dem Abschied von der Familie ging es von Frankfurt aus mit dem Flugzeug in die verträumte Stadt Tromsö. Der 8-stündige Zwischenstopp in Oslo versüßte den Flug zusätzlich zu der wunderbaren Ankunftszeit in Tromsö: 23:45 Uhr. Aber günstig waren sie die Tickets – so sind sie eben, die Studenten…

Nachdem wir uns mit einem Hotdog für 7€ gestärkt hatten (Willkommen in Norwegen) ging es nach draußen in die Kälte. Während eine Hitzewelle über Deutschland fegte, die uns Temperaturen von über 30°C bescherte, begrüßten uns in Tromsö angenehme 4 Grad Celsius, inklusive. Na herzlichen Glückwunsch!
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Die erste Nacht im Zelt

Aus Angst den letzten Bus vom Flughafen in die Innenstadt zu verpassen und wissend, dass uns die Reise schon mehr als genug Geld kosten wird, hatten wir uns bereits im Vorfeld entschlossen die erste Nacht neben dem Flughafen im zu verbringen. Bereits vor dem Abflug hatte ich den hierfür perfekten Platz auf Google Maps ausfindig gemacht, der nur 5 Gehminuten vom Flughafengebäude entfernt lag. (Ich poste den genauen Standort sicherheitshalber nicht, es ist auf Google Maps aber recht offensichtlich)

 

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Zeltaufbau

 

In dem Moment als das Zelt stand und wir unsere Schlafsäcke ausrollten, habe ich zum ersten Mal realisiert, dass das Abenteuer Lappland jetzt beginnt und der Alltag hinter uns liegt. Und so schliefen wir direkt am Fjord, während der norwegische Regen das erste Mal Bekanntschaft mit unserem Zelt machte, es sollte nicht das letzte Mal sein…

Tromsø ist eine für deutsche Verhältnisse kleine Stadt, die durch einen Fjord geteilt und durch eine Brücke vereint wurde. Wir blieben 2 Tage um die letzten Besorgungen zu erledigen. Mit meiner Hausarbeit war ich zu diesem Zeitpunkt immer noch nicht fertig, so dass ich noch einige Zeit in der architektonisch meisterlichen Stadtbibliothek verbrachte.

Zwischendurch beantragten wir unsere Mitgliedschaft im DNT dem „Den Norske Turistforening“. Dies geht relativ schnell in der örtlichen Touristeninformation und man bekommt sofort seinen Mitgliedsausweis ausgestellt. Die schwedischen auf dem Nordkalottleden sind in der Hauptsaison stets offen. Die deutlich kleineren und schöneren norwegischen Hütten sind hingegen mit einem Vorhängeschloss gesichert. Rein kommt nur, wer einen Schlüssel bei sich hat. Dieser muss vor der Tour beim DNT ausgeliehen werden.

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Die Haupteinkaufsstraße besticht durch ihren Ausblick auf die Berge

 

Tromsø besticht durch seine kleinen Bars und Cafés sowie die atemberaubende Lage am Fjord, die vor allem abends dazu einlädt den Schiffen hinterher zu träumen.

 

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Wir wohnten im „Tromsø Guesthouse“, welches direkt auf der Haupteinkaufsstraße liegt. Das Doppelzimmer kostete 25€ p.P/Nacht und kann von uns für Backpacker vollumfänglich empfohlen werden.

(Update: Laut Webseite musste das Guesthouse aus nicht genanten Gründen leider auf unbegrenzte Zeit schließen. Wenn Du andere gute und günstige Unterkünfte in Tromsö kennst, schreib es bitte in die Kommentare)

 

Nicht zu vergessen ist die bekannte Eismeerkapelle, die recht imposant, aber kein 8. Weltwunder ist. Doch der wundervolle Ausblick von dort auf die Stadt, wie sie sich verschlafen an den Hang schmiegt, in stetigem Kontrast zur kraftvollen Farbe des Fjordes, lässt uns innehalten. „Tor der Arktis“ wird die Stadt auch genannt und so ist sie auch für uns ein Tor, das den Beginn unseres Abenteuers verheißt.

 

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Tromsö-Tromso-landschaft-lappland-sonnenuntergang

Bus in Richtung Freiheit

Mit dem Bus ging es dann für 33€ weiter nach Finnland, genauer gesagt Kilpisjärvi. Nur der Busfahrer, wir und der Zigarettenstummelraucher, der es auf jedem der 3 Stopps schaffte noch 2 Züge aus seiner nur noch aus Filter bestehenden Zigarette zu erzwingen. Die Fahrt führt uns entlang weiter Fjorde, dichten Wäldern und schroffen Abhängen.

Die Vorfreude auf das Wandern auf dem Nordkalottleden überstieg die Anspannung der letzten Tage. Nach 3 ½ Stunden erreichten wir unser Ziel – das Kilpisjarvi Hiking Center. Einige Besuchergruppen nutzten das Angebot der integrierten Mensa. Wir hingegen brachen direkt Richtung Kuohokumijärvihütte auf. Weg von den Menschen, dem Stress, dem Lärm und rein in die Natur. Jetzt ging es los.

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Bus in Richtung Freiheit

Erste Schritte auf dem Nordkalottleden

Die ersten Schritte sind immer etwas ganz Besonderes, man weiß, dass man sich auf eine lange Reise begibt, eine Reise ins Ungewisse. Wir wussten nicht was uns erwarten wird, und das war gut so. Wir waren aufgeregt, neugierig und wollten entdecken, was noch vor uns liegt.

Die Herbstfarben hatten bereits Einzug gefunden und so kontrastierten die leuchtend gelben Birkenblätter das dunkelgrüne Moos. Als hätte man die Zeit verlangsamt, glitten sie, getragen vom kalten, finnischen Wind zu Boden. Erst jetzt spürten wir das große Gewicht unserer Rucksäcke. Der feuchte Boden ließ uns immer wieder wegrutschen, doch die Wurzeln der Birken spendeten Halt.

Wir überquerten eine kleine Brücke, die über den Einspeißer eines großen Sees führt. An dessen Ufer stellten wir uns und genossen den Anblick der kleinen Wellen, die dem See das Grau des wolkenbehangenen Himmels aneigneten. Ein langgezogener Anstieg führte uns weg von der Zivilisation.

 

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Raue Schönheit in Gelb-Orange

Als wir den ersten Anstieg erklommen hatten, machten wir gezwungener Maßen Rast. Zu bildgewaltig eröffnete sich uns die raue Schönheit der nordischen Landschaft. Die schier unendliche Weite der Landschaft wurde von kleinen Seen geschmückt und der Herbst tauchte das Land in ein warmes Gelb-Orange.

 

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Nur in dem Wissen, dass wir die nächsten Wochen auf diesem paradiesischen Flecken Erde verbringen werden, konnten wir uns von dem Anblick losreißen.  Wir trafen auf Lorenz, zufälligerweise Deutscher, der sich vom Polarkreis zum Nordkap durchschlägt. Er hatte einige wertvolle Tipps für uns parat und berichtete vom ersten Frost auf dem Nordkalottleden.

Das ist das schöne auf solchen Touren, man geht nicht einfach mit einem kurzen Gruß aneinander vorbei, sondern kommt ins Gespräch. Hier erhält man Informationen über den Nordkalottleden, die man auf keiner Website findet und teilt Geschichten aus aller Welt. Eine wahre Bereicherung auf jeder Fernwanderung.

 

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Doch so einfach wollte uns das langgestreckte Tal anscheinend nicht ziehen lassen. Immer wieder zogen kleine Regenschauer vorüber, die nach wenigen Augenblicken schillernde Regenbögen in die Landschaft zauberten.

 

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